Place de la Bastille

place de la bastille skulpturDer Place de la Bastille, der sich im Viertel Marais befindet, ist der Platz, an dem das berüchtigte Gefängnis Bastille stand, welches am 14. Juli 1789 erstürmt wurde. Der Bau fand Ende des 14. Jahrhunderts im Auftrag von König Karl V. statt und die Bastille war als Hochburg zunächst Teil der Befestigungsanlage, die die Stadt während des Hundertjährigen Krieges vor Angriffen schützen sollte. Erst ab dem 17. Jahrhundert wurde sie hauptsächlich als Gefängnis genutzt. Kardinal Richelieu, der regierende Minister unter Ludwig XIII, begann aus politischen Motiven damit, die Festung zu einem Gefängnis für die Oberschicht zu machen. Der „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. weitete das Vorgehen aus und so waren Haftstrafen für all jene üblich, die ihn verärgert hatten oder ihm nach seiner Auffassung gefährlich werden konnten. Auch aus religiösen Gründen fanden Inhaftierungen statt. Als der König das Edikt von Nantes widerrief, welches den französischen Protestanten eine freie Religionsausübung zugesichert hatte, gab es vermehrt protestantische Häftlinge in der Bastille, weil diese nicht zum katholischen Glauben konvertieren wollten. Zu berühmten ehemaligen Insassen zählen heute Voltaire oder der umstrittene Schriftsteller Marquis de Sade. Der bekannteste Inhaftierte war aber wohl der „Mann mit der eisernen Maske“, dessen Geschichte in dem Roman von Alexandre Dumas und in zahlreichen Verfilmungen behandelt wird. Nach Angaben von Voltaire soll es sich dabei um den jüngeren Zwillingsbruder von Ludwig XIV. gehandelt haben, aber seine Identität konnte nie zweifelsfrei geklärt werden.

Während der Regierungszeiten von Ludwig XV. und Ludwig XVI. diente die Bastille immer mehr als typisches Gefängnis für Straftäter aller Schichten, wurde jedoch weiterhin auch zur Gefangenhaltung von Regierungsgegnern genutzt, zum Beispiel um die Zensur der Printmedien durchzusetzen. Insgesamt waren hier über 5000 Insassen gefangen, von denen etwa die Hälfte während der Regierungszeit von Ludwig XIV. inhaftiert wurden. Das Gefängnis war in der Bevölkerung verhasst, denn es gab Berichte von ehemaligen Insassen über menschenunwürdige Haftbedingungen und Folterungen. Zudem wurde es zu einem Symbol für die Willkür der Monarchie. So konnte der König jederzeit per Brief, dem sogenannten „Lettre de cachet“, Personen inhaftieren lassen, ohne dass ein Gerichtsverfahren zwischengeschaltet werden musste. Infolge der wachsenden Kritik wurden Mitte des 18. Jahrhunderts Reformen angestrengt und die Zahlen der Insassen reduziert, aber Vorschläge zur Abschaffung des Gefängnisses auch aus dem regierungsnahen Umfeld wurden von Ludwig XVI. abgelehnt.

Sturm auf die Bastille

Das Jahr 1789, in dem der Sturm auf die Bastille stattfand, war geprägt von einem drohenden Staatsbankrott und einer notleidenden Bevölkerung aufgrund der ungerecht verteilten Steuerbelastung und teuren Brotpreise. Hoffnung gab die gegen den Willen des Königs gegründete Nationalversammlung, die in der Mehrheit aus Abgeordneten des dritten Standes zusammengesetzt war und als Ziel eine Verfassung mit mehr Mitbestimmung für das Volk hatte. Die Entlassung des Finanzministers Jacques Necker, der die Gründung der Nationalversammlung unterstützt hatte, sowie der Zusammenzug von Truppen vor Paris, ließ in der Bevölkerung die Befürchtung aufkommen, der König wolle die Stadt angreifen und die Nationalversammlung auflösen lassen.

Nachdem es bei Demonstrationen Tote und Verletzte gegeben hatte, kam es zu Ausschreitungen und Plünderungen in der ganzen Stadt und es wurde eine Bürgermiliz gegründet, die sich bewaffnen sollte. Schon kurz darauf stürmten tausende Aufständische das Hôtel des Invalides und nahmen Gewehre und mehrere Kanonen an sich, ohne dass sie auf Gegenwehr stießen. Ihnen fehlte allerdings das Schießpulver und als bekannt wurde, dass sich mehrere Fässer in der Bastille befanden, zogen sie weiter zum Gefängnis. Da der Kommandant der Bastille nach Verhandlungen die Herausgabe von Schießpulver verweigerte, drangen die ersten Aufständischen auf den Vorhof, doch die Wachmannschaft eröffnete das Feuer auf sie und der Angriff kostete rund 100 Bürgern das Leben. Erst als dutzende Soldaten der königlichen Garde zu den Aufständischen überliefen und die Gefängnistore mit Kanonen beschossen, entschloss sich der Kommandant zur Kapitulation, was zur Erstürmung der Bastille führte, bei der auch sieben vorgefundene Gefangene befreit wurden.

Auswirkungen

Wenige Tage nach der Erstürmung begannen schon die Abrissarbeiten, die unter der Leitung des Bauunternehmers Pierre-François Palloy stattfanden. Da er zunächst nicht bezahlt wurde, fertigte er kleine Modelle der Bastille aus originalem Mauergestein an und verkaufte sie ebenso wie Münzen, die aus den Ketten des Gefängnisses gegossen wurden. Mehrere Exemplare beider Varianten sind im Musée Carnavalet zu besichtigen.

Der Sturm auf die Bastille wurde zum Symbol für das Ende der absoluten Monarchie und gilt als Beginn der Französischen Revolution. Der 14. Juli ist heute der Französische Nationalfeiertag, der an dieses Ereignis erinnert sowie an das Föderationsfest, welches ein Jahr später von allen Ständen gefeiert wurde und bei dem der König einen Schwur auf die kommende Verfassung ablegte.

Heute ist von dem ehemaligen Gefängnis nichts mehr zu sehen. Um eine Vorstellung von den Dimensionen der Bastille zu geben, wurden Pflastersteine rund um den Platz verlegt, die die früheren Festungsgrenzen zeigen.

place de la bastille festungsgrenze

In der Métrostation des Platzes sind außerdem Steine des ehemaligen Festungsgrabens ausgestellt und auf einer Infotafel wird gezeigt, wie die Anlage vor der Zerstörung ausgesehen hat.

place de la bastille metro

Überreste der originalen Steine der Burgmauern sind heute an verschiedenen Plätzen in Frankreich zu besichtigen, zum Beispiel in dem kleinen Park Square Henri-Galli in Paris. Viele Steine sind auch in dem Mauerwerk der Pont de la Concorde verbaut, die vor dem Palais Bourbon verläuft und deren Errichtung in die Zeit der Französischen Revolution fiel.

Neben der Opéra Bastille, einem von zwei Opernhäusern in Paris, fällt auf dem Platz auch die über 50 Meter hohe Julisäule auf. Die Opéra Bastille wurde gebaut, um eine Entlastung für die Opéra Garnier zu bieten und die Einweihung fand am 13. Juli 1989 statt, dem Vortag des 200. Jahrestags der Bastille-Erstürmung. Die Julisäule wurde 1831 in Auftrag gegeben, um an die Julirevolution im Vorjahr zu erinnern, in dessen Verlauf Karl X. gestürzt wurde. Auf der Kupfersäule ist zusätzlich eine fast 6 Meter hohe Skulptur des französischen Bildhauers Auguste Dumont angebracht. Die auf einem Bein balancierende vergoldete Figur hält in einer Hand die Flamme der Zivilisation hoch und in der anderen eine zerbrochene Fessel.

place de la bastille

Auf der Säule sind in goldener Schrift die Namen der Gefallenen während der Julirevolution eingraviert und im Unterbau befindet sich eine Grabkammer für hunderte Opfer der Revolutionen von 1830 und 1848. Die Einweihung der Julisäule fand 1840 statt und sie wurde später zusätzlich in Gedenken an die Februarrevolution 1848 geweiht, die zur Absetzung von Louis-Phillipe I. führte, dem letzten König von Frankreich.

Anreise:

Métro: Mit der Linie 5 bis zur Haltestelle Bastille.

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