Père-Lachaise

pere lachaise grabDer Cimetière du Père-Lachaise ist ein berühmter Parkfriedhof und liegt rund um einen kleinen Hügel im östlich gelegenen 20. Arrondissement von Paris. Der Name Père-Lachaise (Vater Lachaise) geht auf den Jesuitenpater François d’Aix de Lachaise zurück, den Beichtvater des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. Er bewohnte bis 1709 ein Landhaus auf dem Gelände, das sich im 17. und 18. Jahrhundert im Besitz des Jesuitenordens befand. Nach der Auflösung des Ordens kaufte die Stadt das Grundstück, um hier einen neuen Friedhof anzulegen. Der innerstädtische Hauptfriedhof war 1780 aus hygienischen Gründen geschlossen worden und neue Friedhöfe mussten von nun an außerhalb der Stadtgrenzen angelegt werden. Eröffnet wurde der Père-Lachaise 1804, doch da er zu dieser Zeit noch weit vom Zentrum entfernt war, gab es hier zunächst nur wenige Bestattungen. Dies änderte sich mit den Sargverlegungen des Schriftstellers Jean de La Fontaine und des Dramatikers Molière, denn viele Bürger wollten ihre letzte Ruhestätte in der Nähe dieser zwei berühmten Persönlichkeiten. Auch die Verlegung der Gräber von Heloise und Abelard, einem der bekanntesten Liebespaare des Mittelalters, sorgte im Jahr 1817 für viel Aufsehen. Bis 1850 fanden mehrere Erweiterungen statt, da sich die Zahl der Grabstätten inzwischen auf über 30.000 erhöht hatte. Heute beherbergt der Père-Lachaise auf 43 Hektar mehr als 70.000 Gräber, was ihn zum größten Friedhof in Paris macht.

Erreichbar ist er über fünf Zugänge, von denen drei an den südlichen Bereich des Friedhofs grenzen. Hier befindet sich auch der Haupteingang, dessen Portal vom Architekten Étienne-Hippolyte Godde im Stil des Klassizismus errichtet wurde.

pere lachaise eingang

Der Friedhof ist die letzte Ruhestätte von Menschen verschiedener Konfessionen und Rassen, da Kaiser Napoleon Bonaparte bei der Gründung erklärt hatte, dass jeder Mensch unabhängig von Religion oder Herkunft das Recht auf eine Bestattung habe. Die Grabstätten sind in Größe und Gestaltung sehr unterschiedlich und reichen von einfachen Gedenksteinen und kleinen Gräbern bis zu Mausoleen mit dutzenden Familienangehörigen. Viele der Grabstätten sind entlang gewundener, oft hügeliger Wege angelegt, die von hohen Bäumen flankiert werden.

Cimetière Père Lachaise Paris

Zusätzlich zu den Grabstätten befinden sich auf dem Friedhof unter anderem ein Kolumbarium mit mehr als 40.000 Urnenplätzen sowie zahlreiche Monumente. Sie dienen zum Beispiel als Gedenken an die Opfer von Katastrophen oder die Toten während militärischer Auseinandersetzungen wie dem Deutsch-Französischen Krieg  oder den zwei Weltkriegen. Das Denkmal für die Toten ist dagegen allgemein gehalten und ist allen Verstorbenen gewidmet. Mit 8 Metern Höhe und einer Breite von 14 Metern ist es das größte Monument des Friedhofs und befindet sich zwischen dem Haupteingang und dem Zentrum.

Das Denkmal wurde von dem Bildhauer Albert Bartholomé über einen Zeitraum von 12 Jahren geschaffen, nachdem seine Freundin früh verstorben war. Er gestaltete 21 Skulpturen von Erwachsenen und Kindern, die teilweise abgemagert sind und verzweifelt ihrem Tod entgegensehen. Im Zentrum der oberen Ebene ist die Statue einer Frau zu sehen, die ihrem Mann die Hand auf die Schulter legt, während sie beide über die Schwelle des Todes schreiten.

pere lachaise denkmal

Im Zentrum des Friedhofs, an der Stelle des ehemaligen Landhauses der Jesuiten, befindet sich heute eine christliche Kapelle. Sie stammt wie das Portal des Haupteingangs von dem Architekten Étienne-Hippolyte Godde und wurde auch im Architekturstil des Klassizismus gestaltet. Der Bau begann 1823 und die Kapelle konnte 11 Jahre später eingeweiht werden. Der Vorplatz ist das ganze Jahr über mit verschiedenen Blumensorten geschmückt.

père-lachaise kapelle

Père-Lachaise verzeichnet jedes Jahr durchschnittlich 3,5 Millionen Besucher und ist damit der meistbesuchte Friedhof der Welt. Dies ist vor allem auf die vielen bedeutenden Persönlichkeiten zurückzuführen, die her bestattet sind. Zu bekannten Franzosen zählen unter anderem der Maler Eugène Delacroix, die Schriftsteller Apollinaire und Marcel Proust oder die Sängerin Édith Piaf. Zu den internationalen Stars gehören zum Beispiel der Sänger Jim Morrison, der Komponist Frédéric Chopin oder der Schriststeller Oscar Wilde.

Das Grab von Jim Morrison, der 1971 im Alter von nur 27 Jahren starb, ist das wohl meistbesuchte Grab auf dem Friedhof. Morrison war Frontmann der Band „The Doors“, die durch Lieder wie Light my Fire weltweit berühmt wurde. Fans der Band sorgen dafür, dass seine letzte Ruhestätte das ganze Jahr hindurch mit Blumen und Grabschmuck verziert ist. Zu finden ist das Grab in der Division 6 im südlichen Bereich des Geländes.

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Nicht weit entfernt, in der Divison 10, liegt die Grabstätte des berühmten Komponisten Frédéric Chopin, der unter anderem durch Werke wie Prélude Nr.4 bekannt wurde. Er starb 1849 im Alter von nur 39 Jahren in seiner Wohnung am Place Vendôme. Über seinem Grabstein wurde die Skulptur der trauernden Muse Euterpe angebracht, die von dem Bildhauer Auguste Clésinger stammt.

grab chopin

In der Division 89 im nördlichen Bereich befindet sich das Grab von Oscar Wilde. Der berühmte irische Schriftsteller verstarb 1900 im früheren Hôtel d’Alsace , dem heutigen 5-Sterne Haus L’Hôtel, in dem ihm ein Zimmer gewidmet ist. Ursprünglich war er auf dem Cimetière parisien de Bagneux beerdigt, aber sein Grab nach 9 Jahren auf den Père-Lachaise verlegt.

Die Skulptur am Grabstein wurde von dem Bildhauer Jacob Epstein entworfen. Sie ist von Oscar Wilde’s Gedicht Die Sphinx inspiriert und stellt den ägyptischen Wind- und Fruchtbarkeitsgott Ammon mit Flügeln dar. Das Grab ist durch eine Schutzwand aus Glas umgeben, da Besucher es in der Vergangenheit mit Widmungen und Kussabdrücken bedeckt hatten.

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Auch das Grab des berühmten Liebespaares Heloise und Abelard wird oft besucht, da ihre Geschichte bis heute in Frankreich weitererzählt wird. Abelard war ein renommierter Theologe, der Anfang des 12. Jahrhunderts an der Klosterschule der Notre-Dame unterrichtete und Hauslehrer der 17-jährigen Heloise wurde. Die beiden verliebten sich ineinander und Heloise wurde schwanger, was ihren Onkel und Vormund Fulbert erboste. Um Fulbert zu beruhigen, willigten die beiden in eine heimliche Heirat ein, sofern diese wegen Abelards Beruf geheim bliebe. Als Fulbert die Ehe dennoch öffentlich machte und Heloise sie leugnete, wurde er gewalttätig. Abelard ließ sie zu ihrer Sicherheit in ein Kloster bringen, doch Fulbert vermutete, er wolle sie zugunsten seiner Karriere loswerden. Angesichts der Schande heuerte er Freunde an, die nachts in Abelards Haus einbrachen und ihn kastrierten.

Abelard gab aus Scham seine Arbeit auf und wurde Mönch. Heloise schwor ihm ewige Treue und begab sich ebenfalls in ein Kloster, wo sie später Äbtissin wurde. Ihre Beziehung erhielten sie über Jahrzehnte aufrecht, indem sie sich weiter Liebesbriefe schrieben. Als Abelard starb, wurde sein Grab auf dem Gelände von Heloises Kloster angelegt und nach ihrem Tod ließ sie sich neben ihm bestatten. Nach der Zerstörung des Klosters während der Französischen Revolution, überführte man die sterblichen Überreste in ein Gemeinschaftsgrab auf dem Pére-Lachaise. Die Überdachung der Grabstätte ist im Stil der Neugotik gestaltet und über dem Sarg sind zwei betende Liegefiguren angebracht, welche das Liebespaar darstellen.

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Öffnungszeiten:

Von Anfang November bis Mitte März sind die Öffnungszeiten montags bis freitags von 8.00 bis 17.30 Uhr. Samstags ist der Friedhof ab 8.30 Uhr geöffnet und sonntags ab 9.00 Uhr. Von Mitte März bis Oktober sind die Öffnungszeiten von 8.00 bis 18.00 Uhr. An Samstagen öffnet der Friedhof auch in diesem Zeitraum ab 8.30 Uhr und an Sonntagen eine halbe Stunde später.

Karte:

Für eine bessere Orientierung ist hier eine Karte des Père-Lachaise zu finden, auf der die bekanntesten Gräber markiert sind.

Führung:

Um zielsicher und schnell zu den berühmten Gräbern zu gelangen und weitere Informationen zum Père-Lachaise zu erhalten, kann über Reisedienstleister wie Get Your Guide eine Gruppenführung auf deutsch gebucht werden.

Anreise:

Métro: Für den Zugang über den Haupteingang mit der Linie 2 bis zur Haltestelle Phillipe-Auguste. Für den nördlichen Eingang mit der Linie 3 bis zur Station Gambetta (Métroplan).

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