Passages couverts

galerie vivienne dachDie überdachten Passagen, die auch als “Passages Couverts“ (versteckte Passagen) bekannt sind, entstanden hauptsächlich im 19. Jahrhundert und waren die Vorläufer der heutigen großen Einkaufszentren in Paris. Durch das Aufkommen der ersten Warenhäuser in der Stadt verloren die versteckten Passagen in der Folgezeit immer mehr an Bedeutung und wurden zum größten Teil wieder geschlossen. Heute sind von den einst etwa 150 Galerien noch 20 erhalten und inzwischen denkmalgeschützt. Die Passagen sind alle mit unterschiedlich geformten gläsernen Dächern versehen, die sie in ein ganz besonderes Licht tauchen. Die schmalen Einkaufsgassen und kleinen Geschäfte sorgen zusammen mit dem natürlichen Licht durch die Glasdächer für eine gemütliche Atmosphäre und stellen eine ruhige Alternative zu den großen Einkaufshäusern dar. Zu den bekanntesten der überdachten Passagen zählen heute neben der Galerie Vivienne unter anderem die Passage de Panorama und die Passage Jouffroy, die in unmittelbarer Nähe zueinander verlaufen.

Passages des Princes

Die Passage des Princes im 2. Arrondissement in der Nähe des Palais Garnier war die zuletzt eröffnete überdachte Passage. Sie wurde 1860 eingeweiht und zunächst Passage Mirès genannt. Die Namensgebung erfolgte aufgrund des Investors Jules Mirès, der das alte Stadthaus Hôtel des Princes aufkaufte, das einst am heutigen Eingang stand. Dieses ließ er abreißen, um die Einkaufsgalerie bauen zu lassen und damit für Fußgänger eine direkte Verbindung zwischen der Rue de Richelieu und dem Boulevard des Italiens zu schaffen.

Nachdem seine Investmentbank Konkurs anmelden musste, wurde die Passage aufgekauft und später in Anlehnung an das alte Stadthaus zur Passage des Princes umbenannt. 1985 wurde die Einkaufsgalerie für ein Immobilienprojekt abgerissen, aber zehn Jahre später wieder aufgebaut und weitestgehend in den Originalzustand zurückgebracht. Heute befinden sich in der Passage ausschließlich Spielwarengeschäfte.

passage de prince

Die Passage ist montags bis samstags von 10.00 bis 20.00 Uhr geöffnet und der Zugang befindet sich an der Rue de Richelieu 97. Für die Anreise fährt man besten mit der Métrolinie 8 oder 9 bis zur Haltestelle Richelieu-Drouot.

Galerie Vivienne

Die Galerie Vivienne, die sich im 2. Arrondissement in der Nähe des Palais Royal befindet, wurde im Jahr 1823 nach Plänen des französischen Architekten François-Jacques Delannoy gebaut und drei Jahre später eingeweiht. Ursprünglich hieß sie in Anlehnung an den Bauherrn Galerie Marchoux, wurde aber kurz darauf umbenannt. Die Galerie Vivienne war insbesondere durch die gute Lage die beliebteste der versteckten Passagen und beherbergte zum Beispiel Schneidergeschäfte und Schuster oder auch Weinläden, Buchhandlungen und Konditoreien.

Der kommerzielle Erfolg bis Mitte des 19. Jahrhunderts war beachtlich, aber die Galerie verlor in der folgenden Zeit immer mehr an Relevanz. Gründe waren unter anderem die Umgestaltung von Paris durch den Stadtplaner Haussmann und die Ansiedlung von vielen prestigeträchtigen Geschäften auf der Champs-Élysées oder in der Gegend um La Madeleine.

Die Passage zeichnet sich neben dem typischen Glasdach vor allem durch die Mosaikfußböden des italienischen Künstlers Giandomenico Facchina sowie eine Rotunde mit Glaskuppel aus. Weitere Merkmale sind die mit Holz verzierten Ladenfenster und zahlreiche Säulen und Gewölbebögen.

galerie vivienne

Neben Restaurants, Teesalons und Boutiquen bekannter Modedesigner wie Jean-Paul Gaultier findet man hier auch besondere Läden wie einen antiquarischen Büchershop. Es ist einer von zwei originalen Läden der Galerie Vivienne und besteht seit der Eröffnung der Passage.

galerie vivienne buchladen

Die Galerie Vivienne ist täglich von 8.30 bis 20.30 Uhr geöffnet und der Zugang befindet sich an der Rue Vivienne 6. Die nächste Métro-Haltestelle ist Bourse und mit der Linie 3 zu erreichen.

Galerie Colbert

Die Galerie Colbert wurde im Jahr 1826 gebaut, um mit der in der gleichen Straße gelegenen Galerie Vivienne zu konkurrieren und wurde daher auch ähnlich aufwendig gestaltet. Der Name geht auf das ehemalige Stadthaus zurück, das sich an der Stelle der heutigen Passage befand und Jean-Baptiste Colbert gehörte, dem Finanzminister des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Galerie Colbert vom französischen Staat aufgekauft und blieb geschlossen, bevor sie ab dem Jahr 1985 von der französischen Nationalbibliothek restauriert und genutzt wurde.

Heute ist sie Teil des Institut national d’histoire de l’art, einem Wissenschaftsinstitut für Kunstgeschichte und man findet im Gegensatz zu anderen der verstecken Passagen keine Läden vor. Hauptmerkmal der 83 Meter langen Passage, die von verzierten Marmorsäulen gesäumt wird, ist eine Rotunde mit einer großen gläsernen Kuppel. Im Zentrum der Rotunde steht eine Skulptur von Charles-François Leboeuf, die Eurydike darstellt, eine Baumnymphe aus der griechischen Mythologie. Die Fassade ist neben Medaillons mit Bildern verziert, die an die römische Wandmalerei erinnern.

galerie colbert

Die Galerie Colbert ist montags bis samstags von 8.00 bis 20.00 Uhr geöffnet und wie bei der Galerie Vivienne ist die näheste Métrostation Bourse.

Passage Jouffroy

Die Passage Jouffroy, die nach zweijähriger Bauzeit 1847 eingeweiht wurde, liegt im 9. Arrondissement im Norden des Boulevard Montmartre und ist die Weiterführung der Passage de Panorama. Sie ist 140 Meter lang und 4 Meter breit und war die erste der versteckten Passagen, die abgesehen von Holzverzierungen an den Läden nur aus Glas und Metall gebaut wurde und auch die erste, die über eine Fußbodenheizung verfügte. Aufgrund der schwierigen Bodenbedingungen beim Bau wurde eine kleine Treppe eingesetzt, die die Einkaufsgalerie auf einer tieferen Ebene weiterführt.

passage jouffroy treppe

Die Passage hat ein weitreichendes Angebot an Einkaufsmöglichkeiten und beherbergt neben Restaurants und Cafés verschiedene Boutiquen, Buchläden und sogar ein kleines Hotel.

passage jouffroy hotel

Die Passage Jouffroy ist täglich von 7.30 bis 21.30 geöffnet und zum Beispiel zu erreichen, indem man mit der Métrolinie 8 oder 9 bis zur Haltestelle Grands Boulevards fährt. Der Zugang befindet sich am Boulevard Montmartre 10-12. Besucher des Wachsmuseums Musée Grévin gelangen automatisch über den Ausgang in die Passage.

error: