Musée de Cluny

Das Musée de Cluny, das auch als Musée national du Moyen Âge (Nationalmuseum des Mittelalters) bekannt ist, liegt in der Nähe des Panthéons und beherbergt eine große Sammlung mittelalterlicher Kunstobjekte. Das Museum besteht aus dem Stadthaus Hôtel de Cluny und Überresten von römisch-antiken Badeanlagen aus dem 3. Jahrhundert. Das Gelände, auf dem das Museum steht, wurde 1330 von der Benediktinerabtei in Cluny erworben, um hier ein Stadthaus in Paris zu errichten.

Das Gebäude, das den spätgotischen Baustil mit Elementen aus der Renaissance vereint, wurde Ende des 15. Jahrhunderts in der Form umgebaut, wie es noch heute besteht. Zu den bekanntesten Bewohnern zählten Mary Tudor, die Frau von Ludwig XII, sowie Jules Mazarin, der Mitte des 17. Jahrhunderts regierender Minister Frankreichs war. Im 18. Jahrhundert wurde der Turm des Anwesens von dem Astronomen Charles Messier als Observatorium genutzt. Er veröffentlichte seine Entdeckungen astronomischer Objekte später im sogenannten Messier-Katalog.

Musee de Cluny Paris

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Hôtel de Cluny von Alexandre Du Sommerard gekauft, einem Sammler mittelalterlicher Kunst. Nach seinem Tod erwarb der französische Staat das Gebäude mitsamt der Kollektion und weihte es 1844 als nationales Museum ein. In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere Werke hinzugekauft, zum Beispiel die sechs Millefleurs-Wandteppiche der Reihe „Dame mit dem Einhorn“, die heute als Hauptattraktion des Museums gelten.

Sie entstanden Ende des 15. Jahrhunderts in den Niederlanden und zählen zu den bedeutendsten Kunstwerken des europäischen Mittelalters. Sie zeigen eine Adelsfrau mit einem Einhorn zu ihrer linken und einem Löwen zu ihrer rechten Seite. Auf manchen Wandbehängen sind zusätzliche Tiere wie ein Hund oder ein Affe dargestellt. Auf fünf Exemplaren werden die fünf Sinne Hören, Riechen, Schmecken, Tasten und Sehen thematisiert. So ist die Frau zum Beispiel beim Spielen einer Orgel zu sehen oder zeigt dem Einhorn sein Gesicht in einem Spiegel.

musee de cluny, dame mit dem einhorn

Für den sechsten Wandteppich gibt es unterschiedliche Interpretationen. Die Dame ist hier vor einem Zelt zu sehen, das die Aufschrift „Mon seul désir“ (Mein einziger Wunsch) trägt. Sie legt ihren Halsschmuck mit einem Lächeln in eine Schatulle, die ihr von einer Dienerin gereicht wird. Diese Geste wird oftmals als Verzicht auf körperliche Reize ausgelegt. Andere Interpretationen sehen in dem Teppich zum Beispiel ein Symbol für Liebe oder Verständnis.

musee de cluny, a mon seul desir

Zu weiteren bekannten Ausstellungsstücken gehören originale Kirchenfenster der Sainte-Chapelle oder die goldene Altarbekleidung Basler Antependium. Besondere Bedeutung haben die erhaltenen Steine des Pariser Nautenpfeilers sowie beschädigte Originalskulpturen der Kathedrale Notre-Dame. 

Die Skulpturen repräsentieren Könige von Judäa und befanden sich etwa ab 1225 an der Fassade der Kathedrale. Während der Französischen Revolution wurden sie fälschlicherweise für Könige Frankreichs gehalten und daraufhin zerstört, indem man die Köpfe abtrennte. Heute sind Kopien an dem ursprünglichen Platz über den Eingangsportalen zu sehen.

musee de cluny statuen

Der Pariser Nautenpfeiler ist das älteste datierbare Denkmal von Paris. Es stammt aus der Regierungszeit des römischen Kaisers Tiberius zwischen 14-37 nach Christus, da eine Weih-Inschrift für ihn in den Pfeiler eingraviert ist. Angefertigt wurde der Pfeiler als Geschenk im Auftrag der parisischen Schiffsleute, die zum keltischen Stamm der Parisiier gehörten und als Kaufmänner die Seine befuhren. Die Parisiier waren die ersten Siedler auf der heutigen Stadtinsel Île de la Cité. Nach der Eroberung durch die Römer etwa 50 vor Christus wurde auf der Insel die gallo-römische Stadt Lutetia gebaut, die als Ursprung des heutigen Paris gilt.

Der Pfeiler stand in einem Tempel, der dem höchsten römischen Gott Jupiter gewidmet war. Dieser Tempel befand sich an der Stelle der Notre-Dame und 1710 entdeckte man die zerteilte Säule unter dem Chor der Kathedrale. Drei der vier Steine sind nur noch zur Hälfte erhalten, so dass eine Rekonstruktion das Aussehen des Originals zeigt. Die erhaltenen Steine sind rundherum mit Bildern römischer und keltischer Gottheiten versehen. Der oberste Stein zeigt zum Beispiel den keltischen Gott Cernunnos, den Gott der Tiere, der auch als „Der Gehörnte“ bezeichnet wird. Er ist mit einem kurzen Hirschgeweih dargestellt, an dem keltische Halsreife hängen.

Zu den Hauptmerkmalen des Museums zählen darüber hinaus die römisch-antiken Thermen, die Anfang des 3. Jahrhunderts geschaffen wurden. Außerhalb des Stadthauses sind nur noch Reste des Dampfbades (Caldarium) und des Warmwasserbades (Tepidarium) vorhanden. Das Kaltwasserbad (Frigidarium) im Innern ist dagegen noch gut erhalten und zeichnet sich durch intakte Gewölbe sowie Fragmente von Wandmalereien aus. Hier ist unter anderem der Pariser Nautenpfeiler zu besichtigen und der Raum wird auch für Wechselausstellungen genutzt.

musee cluny therme

Lohnenswert ist auch ein Besuch der kleinen Kapelle, die beim Gebäude-Umbau Ende des 15. Jahrhunderts erstellt wurde. Vom Pfeiler im Zentrum geht ein dichtes Netz von vier Rippengewölben aus. Die Decke ist im gotischen Flamboyant-Stil entworfen, bei dem die Form der Gestaltungselemente an Flammen erinnert.

musee de cluny kapelle

Eintrittspreise:

Der reguläre Eintritt kostet 8 Euro. Während der Wechselausstellungen beträgt der Eintrittspreis 9 Euro.

Musée de Cluny kostenlos:

Der Eintritt in das Museum ist an jedem ersten Sonntag des Monats kostenfrei. Personen unter 18 Jahren erhalten immer kostenlosen Zugang. EU-Bürger unter 26 Jahren haben freien Eintritt, wenn keine Wechselausstellungen stattfinden. In der Zeit von Wechselausstellungen gilt der reduzierte Preis von 7 Euro.

Öffnungszeiten:

Das Museum ist außer dienstags jeden Tag von 9.15 bis 17.45 Uhr geöffnet.

Dienstags sowie am 1. Januar, 1. Mai und 25. Dezember ist das Museum geschlossen.

Anreise:

Métro: Mit der Linie 10 bis zur Haltestelle Cluny-La Sorbonne

Bus: Linien 21, 27, 38, 63, 85, 86 und 87

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