Montmartre

Montmartre ist ein 130 Meter hoher Hügel im Norden von Paris, der dem umliegenden Stadtviertel Montmartre seinen Namen verleiht. Der Begriff leitet sich wahrscheinlich von dem lateinischen Mons Martis (Mars-Hügel) ab. Nach der Eroberung des heutigen Stadtkerns durch die Römer im Jahr 52 vor Christus enstanden während der gallo-römischen Zeit zwei Tempel auf dem Hügel. Der namensgebende Tempel stand auf der Spitze und war dem römischen Kriegsgott Mars gewidmet.

Der Hügel und das Viertel sind heute insbesondere durch die Basilika Sacré-Coeur und das Varieté Moulin Rouge Anziehungspunkt für Millionen Touristen. Auch die malerischen Gassen und die historische Atmosphäre laden dazu ein, durch das Viertel zu spazieren und das Ambiente zu genießen. Verwinkelte Straßen aus Kopfsteinpflaster, gemütliche Cafés und die ausgestellten Bilder vor vielen kleinen Läden verleihen Montmartre einen ganz besonderen Charme.

montmartre sacre coeur paris

Montmartre war bis ins 19. Jahrhundert ein kleines Dorf, das durch Weinberge, Getreidefelder, Obstplantagen und den Gipsabbau geprägt war. 1860 wurde es eingemeindet und Anfang des 20. Jahrhunderts aufgrund von günstigen Mieten zum bevorzugten Wohnort für Künstler. Unter ihnen waren später zu Ruhm gekommene Schriftsteller wie Guillaume Apollinaire oder Maler wie Pablo Picasso, Vincent van Gogh und Salvador Dali, dessen Werke im nahe gelegenen Museum Espace Dali besichtigt werden können. Zu den bekanntesten Künstlerhäusern zählte das Bateau-Lavoir (Boots-Waschhaus), das zum Beispiel von Malern wie Amedeo Modigliani, Juan Gris oder Max Jacob bewohnt wurde.

Das Haus erhielt seinen Spitznamen, da es Max Jacob vom Aussehen an eines der damaligen Waschboote auf der Seite erinnerte. Es wurde zum Treffpunkt vieler bedeutender Künstler, darunter Maler wie Henri Matisse, Georges Braque und Henri Rousseau oder Schriftsteller wie Guillaume Apollinaire und Gertrude Stein. Pablo Picasso zog 1905 ein und schuf hier sein berühmtes Bild Les Demoiselles d’Avignon, welches als Ursprung für die Stilrichtung des Kubismus gilt. 1970 wurde das Haus durch ein Feuer zerstört und 8 Jahre später mitsamt vieler Ateliers wieder aufgebaut. Zu finden ist es am Place Émile Goudeau.

bateau lavoir paris

Auch heute ist das Viertel noch künstlerisch geprägt und so findet man in Montmartre neben Ateliers und Kunstgalerien auch viele Maler auf dem Place du Tertre (Platz des kleinen Hügels). Bis zu 130 Künstler stellen hier ihre Werke aus oder fertigen Porträts an.

place du tertre montmartre

Zu den Markenzeichen von Montmartre zählten die Windmühlen, die das Landschaftsbild bis zur Eingemeindung prägten. Mit der Moulin de Blute-Fin (Feinsieb-Mühle) und der Moulin Radet sind noch zwei Windmühlen erhalten, die zu insgesamt 13 Exemplaren auf dem Hügel gehörten. Sie waren beide Teil des Cafés und Tanzlokals Moulin de la Galette (Galette-Mühle), welches seinen Namen aufgrund des hier servierten Buchweizenpfannkuchens Galette erhielt. Die Mühlen inspirierten sowohl Auguste Renoir als auch Picasso und Van Gogh zu zahlreichen Bildern. Van Gogh malte sie von außen mitsamt der umliegenden Landschaft, während Picasso und Renoir vor allem die Feste im Tanzlokal darstellten. Renoirs berühmtes Werk Bal du moulin de la Galette (Tanz im Moulin de la Galette) ist im Musée d’Orsay zu besichtigen.

Heute liegt die Moulin Blute-Fin auf einer Anhöhe eines privaten Grundstücks und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und kaum einsehbar. Die Moulin Radet steht auf dem Dach eines Restaurants, das den Namen des einstigen Tanzlokals übernommen hat. Zu finden sind beide in der Rue Lepic.

windmühlen montmartre

Nicht weit entfernt befindet sich an der Kreuzung zur Rue Couchois das Café des Deux Moulins, (Café der zwei Mühlen) das seinen Namen aufgrund der noch erhaltenen Windmühlen erhielt. Es wurde vor allem durch den weltweit erfolgreichen Kinofilm Die fabelhafte Welt der Amélie bekannt, da die Hauptfigur Amélie hier als Kellnerin arbeitet.

cafe des deux moulins

Empfehlenswert ist auch der Besuch des letzten Weinbergs in Paris. Der Weinanbau in Montmartre begann schon ab dem 12. Jahrhundert, als eine Benediktiner-Abtei mitsamt Weingärten auf dem Hügel errichtet wurde. Nach der Eingemeindung schritt die Städtebauentwicklung schnell voran und neben Obstplantagen, Getreidefeldern und Windmühlen mussten auch auch die Gärten neuen Gebäuden weichen.

In den 1930er Jahren erwarb eine Gruppe Künstler das heutige Stück Land, um die alte Tradition der Weinherstellung wiederaufleben zu lassen. Auf rund 1500 Quadratmetern werden hier heute noch fast dreißig verschiedene Traubensorten angebaut und jeden Oktober wird die Ernte für fünf Tage beim Fête des Vendanges (Fest der Weinernte) gefeiert. Dort kann der Wein gekostet werden und der Verkauf der Flaschen kommt sozialen Projekten im Viertel zugute. Zu finden ist der Weinberg in der Rue des Saules.

montmartre weinberg

Tour durch Montmartre

Alle Orte sowie weitere Sehenswürdigkeiten in Montmartre können auch auf geführten Touren besichtigt werden. Eine private Führung auf deutsch gibt es zum Beispiel bei Reiseanbietern wie Get Your Guide: Montmartre Tour

Wer das Viertel lieber fahrend entdecken möchte, kann den Petit Train de Montmartre für eine halbstündige Tour nutzen. Das Fahrzeug in Form einer kleinen Eisenbahn startet am Place Blanche in der Nähe der Moulin Rouge und passiert unter anderem die Sacré-Coeur und den Place du Tertre. Die Fahrtzeiten sind täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr und in den Monaten Juli und August bis um Mitternacht. Der reguläre Preis beträgt 6,50 Euro und Kinder unter 12 Jahren zahlen 4,50 Euro.

Anreise:

Métro: Mit der Linie 2 bis zu den Haltestellen Anvers oder Blanche. Möglich ist auch die Linie 12 bis zur Haltestelle Abbesses (Métroplan).

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