Invalidendom

invalidendomDer Invalidendom ist eine ehemalige königliche Privatkirche und Teil der militärischen Gedenkstätte Hôtel des Invalides. Der Kuppelbau beherbergt die Gräber vieler französischer Militärführer wie unter anderem Napoleon Bonaparte, dem berühmten General und Kaiser Frankreichs. Die militärische Anlage wurde 1670 von dem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. in Auftrag gegeben, um verletzten Kriegsveteranen eine Unterbringung und sinnvolle Aufgaben am Tag zu bieten. Nach der Fertigstellung im Jahr 1676 beauftragte er den Architekten Jules Hardouin Mansart, einen der späteren Bauleiter am Schloss Versailles, mit der Errichtung einer privaten königlichen Kirche auf dem Gelände. Vorbild beim Entwurf war der römische Petersdom und so wurde auch die Kirche im barocken Architekturstil gestaltet. Über zwei Säulengängen ist ein Ziergiebel angebracht und an der Fassade sind mehrere Skulpturen und Reliefs von Königen Frankreichs zu sehen. Hauptmerkmal ist aber die vergoldete Kuppel, die 107 Meter in die Höhe ragt.

Die Kirche wurde während der Französischen Revolution verstaatlicht und ab 1804, dem Beginn des Ersten Kaiserreichs, zu einer Ruhmeshalle für Militärführer umgebaut. Heute ist der Sarkophag von Napoleon die Hauptattraktion für Besucher. Aufgrund seines Lebensweges dauerte es nach seinem Tod allerdings rund 40 Jahre, bis der Sarg am jetzigen Standort platziert werden konnte. Napoleon hatte nach der Niederlage im Sechsten Koalitionskrieg als Kaiser Frankreichs abgedankt und war von den Siegermächten auf die italienische Insel Elba verbannt worden. Im folgenden Jahr kehrte er jedoch nach Frankreich zurück und übernahm nach der Flucht von Ludwig XVIII. erneut die Herrschaft. Diese dauerte allerdings nur 100 Tage, denn nach der verlorenen Schlacht bei Waterloo dankte er ein zweites Mal ab und wurde erneut ins Exil geschickt. Die Briten wählten nun die weit entfernte Insel St. Helena im Südatlantik als Verbannungsort, wo er im Jahr 1821 verstarb.

Napoleon hatte in seinem Testament festgehalten, dass er seine letzte Ruhestätte gerne am Ufer der Seine hätte. Während Ludwig XVIII. und auch sein Nachfolger Karl X. sich zu keiner Entscheidung durchringen konnten, ließ der „Bürgerkönig“ Louis-Philippe 1840 die Rückführung der sterblichen Überreste beantragen. Diesem Wunsch wurde von der britischen Regierung noch im selben Jahr stattgegeben. Die Ruhmeshalle wurde daraufhin unter der Leitung des Architekten Louis Visconti umgestaltet, um Napoleons Grab unter der Kuppel zu beherbergen. Nach der zeremoniellen Rückführung blieb der Sarg zunächst in einer kleinen Kapelle der ehemaligen Kirche. 1861, rund 40 Jahre nach dem Tod, wurde der Sarg in Anwesenheit seines Neffen Napoleon III. schließlich an den heutigen Standort überführt.

Der Sarkophag ist seitdem im Zentrum einer kreisrunden, offenen Krypta unter der Kuppel platziert. Rundherum sind 12 Statuen der Siegesgöttin angebracht, die symbolisch für die militärischen Erfolge Napoleons stehen wie die Schlacht bei den Pyramiden oder die Schlacht bei Austerlitz. An den Wänden der Gänge sind zudem Reliefs zu sehen, welche die wichtigsten Stationen seines Lebens zeigen sowie die Rückführung des Sarges nach Paris.

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Der Sarkophag besteht aus rotem Quarz und ist auf einem Podest aus grünem Granit platziert. Napoleons sterbliche Überreste sind durch mehrere Schichten aus unterschiedlichen Materialien geschützt. So befindet sich sein Körper in einem Sarg aus Eisen und weitere Schichten sind aus Blei, Mahagoni, Ebenholz und Eiche.

In der Kuppel direkt über dem Sarkophag ist ein Deckengemälde von Charles de la Fosse angebracht, einem Schüler von Charles Le Brun, dem berühmten Hofmaler des „Sonnenkönigs“. Es ist mit goldenen Platten verziert und erweckt den Eindruck eines blauen Himmels über der Krypta.

invalidendom kuppel

Im Zentrum des Gemäldes ist König Ludwig IX. zu sehen, wie er Jesus ein Schwert reicht. Die kleinen seitlichen Gemälde stellen verschiedene Apostel aus der Bibel dar.

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Beeindruckend ist auch der hohe Altar sowie die Gestaltung der übrigen Krypta durch zahlreiche Skulpturen. Hauptmerkmale des Altars sind unter anderem die gewundenen Säulen aus schwarzem Marmor sowie das vergoldete Dach. Über dem Dach sind Deckengemälde zu sehen, die Heilige aus der Bibel zeigen. Gelb getönte Fenster an den Seiten erschaffen bei Sonnenstrahlung zudem den Effekt, dass der gesamte Altar goldverziert wirkt.

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In der Krypta sind auch Gräber von einigen Blutsverwandten Napoleons untergebracht, zum Beispiel die seiner beiden Brüder Jérôme und Joseph sowie seines einzigen Sohnes Napoleon Franz Joseph Karl Bonaparte. Über dessen Grab, das in den Boden eingelassen ist, wacht eine Statue seines Vaters. Sie zeigt Napoleon in kaiserlicher Tracht und mit einem Zepter in der rechten Hand.

Darüber hinaus befinden sich in der Krypta die Grabstätten vieler bedeutender Militärs wie zum Beispiel dem als Turenne bekannten Heerführer, der im Dienst des „Sonnenkönigs“ war und einer der wenigen Generalmarschälle Frankreichs wurde. Seine Asche ist in ein Grab eingebaut, das von trauernden weiblichen Skulpturen umgeben ist. Auch Ferdinand Foch, der das Waffenstillstandsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich nach dem ersten Weltkrieg unterzeichnete, ist hier beigesetzt. Auf seinem Sarkophag, der sich unter einer kleinen Kuppel befindet, ist eine Skulpturengruppe aus Soldaten angebracht.

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Eintrittspreise:

Der Eintrittspreis für den Invalidendom beinhaltet den Zugang zur gesamten Anlage mitsamt der Militärmuseen und kostet 11 Euro. Im Falle von temporären Ausstellungen beträgt der Preis 12 Euro. Tickets ohne Anstehen können vorab bei Reiseanbietern wie Get Your Guide gebucht werden.

Invalidendom kostenlos:

Der Eintritt zum Invalidendom ist für Personen unter 18 sowie EU-Bürger unter 26 Jahren kostenlos. Auch Menschen mit Behinderung erhalten freien Zugang.

Öffnungszeiten:

Das Hôtel des Invalides mitsamt dem Invalidendom ist Anfang November bis Ende März von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Anfang April bis Ende Oktober sind die Öffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr. Im Juli und August ist der Invalidendom außerdem bis 19 Uhr geöffnet.

Geschlossen ist die Anlage am 1. Januar, 1. Mai und 25. Dezember.

Anreise:

Métro: Mit der Linie 8 oder 13 bis zur Station Invalides (Métroplan).

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