Hôtel de Ville

hotel de ville statueDas Hôtel de Ville ist das Rathaus von Paris und liegt im 4. Arrondissement in unmittelbarer Nähe zur Île de la Cité. Hier finden offizielle Empfänge und Feierlichkeiten statt und auf dem Vorplatz werden mehrmals im Jahr verschiedene Events veranstaltet. Im Sommer wird zum Beispiel im Rahmen des Paris Plage ein großer Strand für Beachvolleyball angelegt und zur Weihnachtszeit befindet sich hier für gewöhnlich eine Schlittschuhbahn. Vor dem 11. Jahrhundert gab es rund um das heutige Gebäude nur einen Kieselstrand bis man sich dazu entschied, hier einen weiteren Hafen anzulegen, der den Haupthafen entlasten sollte. Durch das sandige Ufer wurde der Platz rundherum Place de Grève (Sanduferplatz) genannt. Da sich Arbeiter hier oft trafen, um gegen die Arbeitsbedingungen zu protestieren, entstand der Ausdruck „faire grève“, der im französischen Sprachgebrauch noch heute gleichbedeutend mit „streiken“ ist. Der Platz wurde mit Beginn des 14. Jahrhunderts außerdem der Hauptplatz, an dem öffentliche Exekutionen stattfanden. Das erste Gebäude in dieser Umgebung entstand etwa zur selben Zeit und wurde 1357 von Étienne Marcel gekauft, um die Stadtverwaltung umzusiedeln, der er als Vogt der Kaufleute vorsaß. Ihm zu Ehren steht heute eine Reiterstatue am Rathaus, denn er gehörte als Abgeordneter des Dritten Standes zu den führenden Personen, die im selben Jahr mehr Mitbestimmung der Stände in der Monarchie durchsetzen konnten. Diese war zwar nur von kurzer Dauer und betraf hauptsächlich die Kontrolle der Finanzpolitik, war aber vor der Französischen Revolution die erste und einzige Reform, die für eine eingeschränkte Macht des Königs sorgte. In der Zeit der Dritten Französischen Republik erlangte der Mythos von Étienne Marcel als einer der Vorväter der Revolution Berühmtheit und die Reiterstatue von ihm wurde 1888 eingeweiht.

Das erste Gebäude, das die Stadtverwaltung beherbergte, verfiel Anfang des 15. Jahrhunderts immer stärker. In den 30er Jahren gab Franz I. die Neugestaltung in Auftrag, denn Paris war inzwischen die größte Stadt in Europa und sollte ein würdiges Rathaus erhalten. Das Gebäude wurde abgerissen und das neue Rathaus entstand im Stil der Renaissance, aber war erst 1628 fertiggestellt. Auch wenn das Hôtel de Ville heute noch im gleichen Architekturstil besteht, musste es zunächst aufwendig restauriert werden. Während der Pariser Kommune ab 1871 wurde es von den Kommunarden zunächst besetzt und später in Brand gesteckt. Das Rathaus brannte innen vollständig aus und es blieben nur die Außenwände erhalten. Die darauf folgende Restaurierung wurde von den Architekten Théodore Ballu und Édouard Deperthes durchgeführt. Sie dauerte insgesamt 19 Jahre und konnte die über 140 Meter breite Fassade wieder in den Originalzustand versetzen.

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Die Fassade zeichnet sich vor allem durch die rund 140 Skulpturen auf, die auf allen Etagen angebracht sind. Etwa 110 Statuen stellen bedeutende Persönlichkeiten aus Paris dar, 30 weitere repräsentieren französische Städte. Sie wurden von dutzenden Bildhauern erstellt, darunter berühmte Künstler wie Auguste Rodin, der die Statue des Wissenschaftlers und Philosophen D’Alembert anfertigte.

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Das Innere des Rathauses ist prunkvoll gestaltet und es sind zahlreiche Deckengemälde, Skulpturen und große Buntglasfenster zu sehen. Besichtigungen sind an mehreren Tagen im Jahr möglich und inbegriffen ist auch das Arbeitszimmer des Bürgermeisters.

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Zu den beeindruckendsten Räumen im Rathaus gehören der Festsaal sowie der Salon des Arcades (Saal der Bogengänge). Dieser ist in die Themenfelder Kunst, Literatur und Wissenschaft aufgeteilt und beherbergt Bilder von bekannten Persönlichkeiten aller drei Bereiche. In jedem Salon befindet sich ein großes Deckengemälde, von denen das bekannteste „Die Verherrlichung der Kunst“ von Léon Bonnat ist und Apollo sowie Pegasus aus der griechischen Mythologie zeigt.

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Die Gestaltung des Festsaales wurde vom Spiegelsaal im Schloss Versailles beeinflusst. Zwischen zahlreichen Goldverzierungen sind Gemälde zu sehen, die zum Beispiel den Tanz oder die Musik symbolisieren oder verschiedene Provinzen Frankreichs zeigen.

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Besichtigung:

Das Rathaus kann im Rahmen der Journées du patrimoine besichtigt werden, die mit dem Tag des offenen Denkmals vergleichbar sind und jedes Jahr im September stattfinden. Die genauen Daten können auf der offiziellen Webseite eingesehen werden.

Anreise:

Métro: Mit der Linie 1 oder 11 bis zur Haltestelle Hôtel de Ville (Métroplan)

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