Conciergerie

conciergerie säulenDie Conciergerie ist ein ehemaliges Staatsgefängnis, das sich auf der Stadtinsel Île de la Cité befindet. Sie ist Teil des heutigen Justizpalastes, zu dem auch die frühere Königskapelle Sainte-Chapelle gehört. Ursprünglich lebte der keltische Stamm der Parisier auf der Insel, bis diese etwa 50 vor Christus von den Römern erobert wurde. Im zweiten Jahrhundert nach Christus entstanden dann erste öffentliche Bauwerke und an der Stelle der heutigen Conciergerie befand sich der Palast des römischen Statthalters. Mit Beginn des Fränkischen Reiches unter Chlodwig I. wurde Paris zur Hauptstadt und der einst römische Palast diente als Residenz für die Könige, wenn sie vor Ort waren. Erst Ende des 10. Jahrhunderts wurde der Palast dauerhaft zum königlichen Wohnsitz und nach einem großflächigen Umbau auch für administrative Zwecke genutzt. Das Bauwerk war ab diesem Zeitpunkt als Palais de la Cité (Stadtpalast) bekannt, dem Machtzentrum Frankreichs. Hier befand sich zum Beispiel der Sitz des „Königlichen Rates“, der hauptsächlich aus Adel und Klerikern bestand und den König in Gesetzesfragen beriet. Mitte des 13. Jahrhunderts spaltete sich daraus das „Parlement de Paris“ ab, welches in der eigens gebauten Grand Chambre (Große Kammer) tagte. Es bestand hauptsächlich aus Personen des Amtsadels, also ehemaligen Bürgerlichen, die aufgrund ihrer Ausbildung in Staatsämter übernommen worden waren. Das Parlament hatte in Steuer- und Rechtsfällen richterliche Gewalt und verfügte über ein Einspruchsrecht gegen Gesetzesvorschläge des Königs. In Sondersitzungen, dem sogenannten Lit de justice, hatte dieser aber immer Hoheitsrecht und konnte seine Gesetze dadurch auch ohne Zustimmung durchsetzen.

Nach der Machtübernahme von Karl V. im Jahr 1364 zog der königliche Hof aus Sicherheitsgründen in den Louvre. Die Verwaltung wurde einem Concierge (Hauswart) übertragen, was dem Bauwerk auch den heutigen Namen verlieh. In den folgenden Jahrzenten wurde ein Teil des Komplexes schließlich zu einem Gefängnis umgebaut, das zur Inhaftierung von Kriminellen, aber auch politischen Gegnern diente.

Heute zeichnet sich die Conciergerie von außen durch vier hohe Türme aus. Die drei ältesten entstanden in identischer Bauweise und der rechte Turm im Zentrum diente zum Beispiel als königliche Schatzkammer. Der östliche Tour d’Horloge (Uhrenturm) ist dagegen rechtwinklig, hat einen kleinen Wachturm auf dem Dach und eine vergoldete Uhr an der Fassade.

conciergerie paris

Der fast 50 Meter hohe Uhrenturm wurde nachträglich errichtet, um die Sicherheit des Palastes zu erhöhen, der wenige Jahre vor dem Umzug bei einem Bürgeraufstand gestürmt worden war. Karl V. ließ an der Fassade die erste öffentliche Uhr Frankreichs anbringen und sie mit Gold verzieren. Neben dem Uhrwerk sind Skulpturen zu sehen, die das Gesetz sowie die Gerechtigkeit symbolisieren und oben im Zentrum ist das königliche Monogramm angebracht.

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Die Eingangshalle der Conciergerie zeichnet sich durch vier parallel verlaufende Gänge mit Spitzbögen und hohen Säulen aus. Hier befand sich der „Salle des gens d’armes“ (Saal der Bewaffneten), der auch als Speiseraum für die königliche Garde diente und durch vier riesige Kamine beheizt wurde. Er ist etwa 70 Meter lang, 28 Meter breit und hat eine Höhe von fast 9 Metern. Dies macht ihn heute zum größten noch erhaltenen Saal des europäischen Mittelalters.

conciergerie innen

Während der Französischen Revolution ab 1789 diente die Conciergerie hauptsächlich zur Inhaftierung von politischen Feinden. Das Gefängnis erhielt in der Bevölkerung den Namen „Vorzimmer des Todes“, denn kaum ein Gefangener schaffte es lebend aus der Haft. Das Revolutionstribunal hielt von März 1793 bis Mai 1795 im Grand Chambre Gericht, dem früheren Saal des Parlaments, und verurteilte in dieser Zeit über 2700 Menschen zum Tode. Die meisten Inhaftierten wurden schon wenige Tage oder Wochen nach der Verurteilung zu einem der Exekutionsplätze gebracht, an denen Guillotinen aufgebaut waren.

Zu den kurzzeitig Inhaftierten gehörten auch die beiden bekannten Revolutionsführer Georges Danton und Maximilien Robespierre sowie 21 führende Girondisten. Letztere zählten zu einer Gruppe von Abgeordneten im Nationalkonvent, welche die Revolution beenden wollten. Sie verbrachten nach ihrer Verurteilung im Oktober 1793 die letzte Nacht in der Gefängniskapelle, die ihnen heute gewidmet ist.

conciergerie kapelle

Die berühmteste Gefangene der Conciergerie war zweifelsohne Königin Marie Antoinette. Sie verblieb die letzten zweieinhalb Monate ihres Lebens in Haft. Ihr Prozess vor dem Revolutionstribunal fand vom 14. bis 16. Oktober 1793 statt und gleich nach ihrer Verurteilung wurde sie zu einem offenen Karren gebracht. Damit fuhr man sie unter Beschimpfungen, aber auch ehrfürchtigen Bemerkungen der Bürger zum Place de la Concorde, wo sie durch die Guillotine exekutiert wurde.

Auf der ersten Etage gibt es Beispiele der Gefängniszellen zu sehen. Gefangene mussten viel für eine Liege oder Einzelzelle zahlen und so waren ärmere Insassen mit mehreren Personen in einem strohbedeckten Verlies eingesperrt. Auch die Zelle von Marie Antoinette wurde realitätsgetreu nachgebaut. Die Königin erhielt zwar eine gut ausgestattete Einzelzelle, aber wurde streng bewacht. Ihre Zelle beherbergte ein Bett sowie einen Schreibtisch mit mehreren Stühlen vor einer provisorisch angebrachten Tapete. Die Nachbildung zeigt Marie Antoinette in eine Decke eingehüllt und betend am Tisch.

Conciergerie Marie Antoinette

Die Originalzelle von Marie Antoinette befand sich gegenüber der Gefängniskapelle. Nach der Wiederherstellung der Monarchie ab 1814 ließ Ludwig XVIII. diese zu einer Gedenkstätte umbauen. Darin sind zum Beispiel Bilder zu sehen, die Marie Antoinette zu verschiedenen Zeitpunkten ihrer Gefangenschaft zeigen. Im Zentrum wurde ein Scheingrab aus Marmor errichtet, das eine Widmung des Königs enthält.

conciergerie gedenktafel

Eintrittspreis:

Der reguläre Eintrittspreis beträgt 9 Euro. Falls man auch die nahe gelegene Sainte-Chapelle besichtigen möchte, lohnt sich ein günstiges Kombiticket, das zum Beispiel bei Reiseanbietern wie Get Your Guide erhältlich ist.

Personen unter 26 Jahren sowie Menschen mit Behinderung erhalten freien Eintritt. Am ersten Sonntag des Monats ist der Eintritt für alle Personen kostenlos.

Seit 2017 ist ein interaktives iPad für 6,50 Euro am Eingang erhältlich, mit dem man verschiedene Plätze in der Conciergerie anvisieren kann und diese in ihrem früheren Zustand auf dem Tablet gezeigt werden.

Öffnungszeiten:

Die Öffnungszeiten sind täglich von 9.30 – 18.00 Uhr.

Am 1. Januar, 1. Mai und 25. Dezember ist die Conciergerie geschlossen.

Anreise:

Métro: Mit der Linie 4 bis zur Haltestelle Cité oder mit den Linien 1, 7, 11 und 14 bis zur Haltestelle Châtelet. (Métroplan)

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